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Geschichte
Der ursprüngliche Ortsname „Hal“ deutet darauf hin, dass es sich um einen Ort mit einer Saline handelt. Eine Übersetzung von „Hall“ mit „Salz“ ist nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zulässig. Es muss vielmehr heißen „Saline“. Als im 14. Jahrhundert die Bezeichnung Reichenhall zur Unterscheidung von anderen „Hall“-Orten üblich wurde, wusste man bereits nicht mehr um die eigentliche Bedeutung des Begriffes „Hall“. Reichenhall bedeutet demnach das „reiche Hall“ im Gegensatz zur neuen Konkurrenzsaline von Hallein. „Hallein“ entspricht einer Verkleinerungsform („Hall-lein“ = „das kleine Hall“), die vermutlich ursprünglich (wohl von Reichenhaller Seite) despektierlich gebraucht wurde.

Frühgeschichte
Funde im Reichenhaller Raum deuten darauf hin, dass bereits während der Glockenbecherkultur (2600 bis 2300 v. Chr.) eine feste Siedlung und weitverzweigte Handelswege vorhanden waren. Richtig belegt wurde dies jedoch erst durch Funde zahlreicher Grabstätten aus der Urnenfelderzeit (1600–750 v. Chr.) im Bereich des heutigen Ortsteils Karlstein. Dort war in der La-Tène-Zeit (450–15 v. Chr.) auch ein keltisches Kultzentrum am „Langackertal“ und eine Münzprägestätte am „Haiderburgstein“. Die Kelten verfügten bereits über ein fortschrittliches Verfahren zur Salzgewinnung, die Salzsiedetechnik.
Aus der römischen Kaiserzeit (15 v. Chr.–480 n. Chr.) stammen Funde einer anspruchsvollen Villenkultur in Marzoll und Fager (Ortsteil Karlstein), die Siedlung wurde von den Römern „ad salinas“ genannt und gehörte zur römischen Provinz Noricum. Die Funde zahlreicher Grabstätten der Bajuwaren in Kirchberg aus der Merowingerzeit (480 bis 700) schließlich deuten auf ein friedliches Nebeneinander von Germanen und Romanen hin, wobei man diese logische Verknüpfung offen lassen muss. Als Siedlung könnten der Altstadtbereich oder der Kirchberg, aber auch andere Bereiche in der Umgebung gedient haben. Der Legende nach entdeckt der Heilige Rupert im Jahre 696 die während der Völkerwanderungszeit vergessenen Solequellen wieder und bringt damit die Saline zu einer neuerlichen wirtschaftlichen Blüte.

Bad Reichenhall und das Salz
Die gesamte Region war historisch schon immer von der Salzgewinnung und -verarbeitung geprägt. Neben Bad Reichenhall sind weitere Ortsnamen wie Salzburg, Hallein oder Hallstatt im benachbarten Salzkammergut Zeugen dafür. Die um 1070 entstandene Hallgrafschaft Reichenhall überwachte den regen Salzhandel. Salz war auf Grund seiner konservierenden Eigenschaften zu dieser Zeit ein sehr kostbares Gut, es wurde auch als Weißes Gold bezeichnet. Durch den Handel mit Reichenhaller Salz entstand noch vor der ersten Jahrtausendwende der Handelsweg „Goldener Steig“, der sich zum Bedeutendsten in Süddeutschland entwickelte.
Inwieweit hier die Salzproduktion in vorrömische Zeit reicht, ist bis dato unklar. Bis zum Erscheinen der Römer 15 v. Chr. wird es sich vermutlich um eine Saline mit lokaler Bedeutung gehandelt haben. Die Römer forcierten die Salzproduktion und machten die Reichenhaller Saline zur leistungsfähigsten im gesamten Alpenraum. Die auf natürliche Weise dem Erdboden entspringenden Solequellen in Reichenhall wurden gefasst, das kostbare Nass in tönernen Öfen versotten.

Auf Grund einer Schenkung des Bayernherzogs Theodo an den Hl. Rupert besaß der Erzbischof von Salzburg ein Drittel der Saline. Damit war Reichenhall für etwa 500 Jahre der wichtigste Wirtschaftsstandort für die Salzburger Kirche. Ihren deutschen Namen „Salzpurc“ verdankt die Stadt dem Reichenhaller Salz. Im Mittelalter waren außerdem noch Reichenhaller Bürger und das Kloster Sankt Zeno in Besitz der Solequellen und der ehernen Sudpfannen, die die alten Tonöfen abgelöst hatten. Immer wieder kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit benachbarten Orten, bzw. deren Einwohnern, in denen ebenfalls Salz produziert wurde. So wurde 1196 (als Reaktion auf einen Überfall auf den neuen Konkurrenten Berchtesgaden) Reichenhall von Truppen des Salzburger Erzbischofs in Schutt und Asche gelegt. Die Stadt wurde später auf kleinerer Fläche neu errichtet und erhielt als Schutz ihre (heute noch teilweise erhaltene) Stadtmauer. Seit 1198 produzierte die neue Saline im Salzburgischen Hallein, da inzwischen die Salzlager am Dürrnberg wiederentdeckt wurden. Da die Reichenhaller Saline komplett zerstört war, hatte Hallein von Anfang an die besten Voraussetzungen, um die Marktführerschaft im Salzhandel zu übernehmen.
Im Spätmittelalter kamen die Reichenhaller Siedeherren immer mehr in Bedrängnis, da die Qualität der Sole durch ungehindert eindringendes Süßwasser vermindert wurde. Die Besitzer hatten jedoch nicht genug Kapital, um die dringend notwendigen Investitionen zu tätigen. Schließlich gelang es im ausgehenden 15. Jahrhundert den bayerischen Herzögen innerhalb eines einzigen Jahrzehnts, die Quellen und die Sudpfannen in ihren Besitz zu bringen. Der Herzog hatte damit den wichtigsten Wirtschaftszweig Bayerns (und damit enorme Steuereinnahmen) gerettet. Bis zum Jahr 1619 hatte lediglich das Stift St. Zeno noch einen eigenen Salinenbetrieb.
Mit der Inbesitznahme der Salzproduktion durch die Wittelsbacher begann die Modernisierung der Saline. Um das Problem der zufließenden Süßwässer zu beseitigen, wurden alle Solequellen in einem neuen zentralen Förderschacht, dem so genannten „Hauptschacht“ zusammengefasst. Das zwangsläufig, wenngleich unerwünscht vorhandene Süßwasser wurde kurzerhand als Oberflächenwasser durch den so genannten Grabenbachstollen abgeleitet. Dieser verläuft noch heute, trotz aller Wirren der vergangenen Jahrhunderte mit ihren vielfältigen Verwüstungen, in etwa 14 Metern Tiefe knappe zwei Kilometer lang unterhalb der Stadt, ehe das Wasser im Ortsteil Staufenbrücke in die Saalach mündet.
Um die Sole aus dem neuen Hauptschacht zu fördern wurde im Jahre 1440 ein Paternosterschöpfwerk verwendet. Damit wurde die „menschliche Kette“ abgelöst. Das Pumpwerk blieb bis auf kleinere Veränderungen bis zum Reichenhaller Stadtbrand im Jahr 1834 bestehen.
Die Sole wurde in herzöglichen Sudhäusern zu Salz versotten. Der feuchte Salzbrei wurde in Holzfässer gefüllt, die so entstandenen Salzfuder in großen Öfen getrocknet und anschließend zerstoßen (dieser Vorgang konnte bei Bedarf mehrfach wiederholt werden). Erst als Beschwerden über schwere Qualitätsmängel des Salzes zunahmen, entschied man sich zu umfassenden Modernisierungsmaßnahmen unter Leitung des Schweizer Baumeisters v. Claiss. Große Veränderungen für die Saline brachte der Stadtbrand im November 1834, dem große Teile der Stadt und die gesamte Saline zum Opfer fielen: die Pumpanlagen im Hauptbrunnhaus wurden komplett erneuert, Herzstück wurden nun zwei große Wasserräder, die mittels zehn Saug- und Druckpumpen die Sole aus dem Hauptschacht förderten. Von dort aus wurde das Salzwasser in die benachbarten Solereserven gepumpt, von wo aus es je nach Bedarf in eines der vier neuen Sudhäuser geleitet werden konnte.
Auch heute noch spielt das Salz in Bad Reichenhall eine große Rolle. Reichenhall wurde nicht nur dank seiner Solebäder, die mit Wasser aus zahlreichen Solequellen gespeist werden, zur so genannten Kurstadt, sondern es vermarktet auch die Saline Bad Reichenhall sein Reichenhaller Markensalz in ganz Deutschland und vielen Ländern der Welt.

Ortsgeschichte
Um 700 wird der Ort mit Hal bzw. ad Salinas bezeichnet, 1323 wird der neue Name Reichenhall erstmalig erwähnt. Um 1070 bildet sich eine eigene Reichenhaller Hallgrafschaft heraus, die den Handel mit dem kostbaren Gut Salz organisiert und überwacht. 1156 erste urkundliche Erwähnung Reichenhalls als „Stadt“. 1196 führt eine Strafexpedition von Erzbischof Adalbert III. gegen Reichenhall zur völligen Vernichtung der Stadt. In dieser Zeit wird auch die legendäre Hallburg am Streitbichl durch den Erzbischof errichtet. Ab 1493 kauft der Herzog von Bayern sukzessive die bürgerlichen Siedeanlagen auf. Das Salzwesen wird weitgehend ein Staatsmonopol. Im ausgehenden Mittelalter wird die Salzgewinnung zunehmend technisiert und verbessert, unter anderem:1529 Das „Waldbuch“ schreibt die nachhaltige Bewirtschaftung der „Saalforste“ vor, um die Versorgung der Saline mit Brennholz zu sichern. Schon 1509 war mit der „Waldmeisterstelle“ eines der ersten Forstämter in Mitteleuropa gegründet worden. 1524 Baubeginn des Grabenbachstollens, eines unterirdischen Systems zur Ableitung von Süßwasser aus dem Solebrunnen.
Briefmarke 1969 1617–1619: Bau einer hölzernen Soleleitung nach Traunstein mit einer Gesamtlänge von circa 31 Kilometern. Mit diesem Bau und der Errichtung einer Saline in Traunstein verschiebt sich der wirtschaftliche Schwerpunkt der bayerischen Region zugunsten Traunsteins. 1808–1810 folgt eine Soleleitung nach Rosenheim. Nach der Säkularisation der Fürstpropstei Berchtesgaden wird 1817 die circa 29 km lange Soleleitung vom Salzbergwerk Berchtesgaden nach Reichenhall gebaut. Heute kommen rund zwei Drittel des in Bad Reichenhall verarbeiteten Salzes von dort. 1834 werden durch einen Großbrand weite Teile der Stadt zerstört, Ludwig I. beauftragt Joseph Daniel Ohlmüller mit dem Wiederaufbau. Die dabei errichtete „Alte Saline“ gilt als Industriedenkmal.

Die Stadt ist seit dem Jahr 1846 ein beliebter Kur- und Badeort. Seit 1890 darf Reichenhall auf Verfügung des bayerischen Prinzregenten den Zusatz Bad führen, neun Jahre später wird es königlich bayerisches Staatsbad. Ein alliierter Bombenangriff fordert am 25. April 1945 200 Todesopfer. Das Stadtzentrum der Kurstadt, in dem sich zahlreiche Lazarette befinden, wird weitgehend zerstört, hingegen sind in der Kaserne keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehört Bad Reichenhall zur Amerikanischen Besatzungszone. Die amerikanische Militärverwaltung richtet ein DP-Lager ein zur Unterbringung so genannter Displaced Persons (DP). 1958 wird Bad Reichenhall nach Aufstellung der Bundeswehr wieder Gebirgsjägerstandort (General-Konrad-Kaserne, benannt nach einem Wehrmachtsgeneral). 1982: Am 22. November 1982 kommt es in Bad Reichenhall nach einem Tankwagenunfall zu einer Brandkatastrophe. 1993: Am 23. September wird das Wirtsehepaar des Reichenhaller Hauses am Hochstaufen bei einem Raubüberfall ermordet. 1997 wird der Staatsbadbetrieb privatisiert, die Staatliche Kurverwaltung aufgelöst und die
Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain gegründet. 2001: Bad Reichenhall erhält eine der höchsten Auszeichnungen im alpinen Raum: „Alpenstadt 2001“. 2005 wird im März die RupertusTherme eröffnet. Damit kann das Staatsbad wieder mit anderen Kur-/Wellness-Destinationen mithalten. 2005: Am 12. Juni wurde das erste Mal der Berchtesgadener-Land-Radmarathon (Alpencup) gestartet. Bad Reichenhall war der Start- und Zielort.