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Vorwort

Das Leben in der Vergangenheit war hart und die Zeit -bzw. die jeweilige Herrschaft- ging nicht gut mit seiner Bevölkerung um. Resultierend hieraus präsentiert sich die Bevölkerung als ehrlich, gastfreundlich, unverbogen und (last not least) stolz. Trotz aller Wirrnisse, Verfolgungen und Zerstörungen, blieben die Menschen im Berchtesgadener Land menschlich und die Natur natürlich. Das es so bleibt wünschen wir uns alle. Und wenn Sie das herrliche Stückchen Erde besuchen, wissen Sie, was wir meinen.

Die nachstehende Chronik und einige andere Passagen wurde aus dem Buch "Berchtesgadener Land - Gebietsführer für Natur, Kultur, Freizeit und Sport von Dr. Albert Hirschbichler entnommen. Hierfür unser Dank, auch an den » Plenk Verlag Berchtesgaden.

Chronik von Berchtesgaden

wann was geschah ..
Vor 1100 Jäger und Hirten durchstreifen gelegentlich den Talkessel. Feste Siedlungen gibt es nicht.
Um 1100 Vier Mönche aus Rottenbuch im Ammergau gründen im Auftrag des Garfen Berengar von Sulzbach ein Augustiner Chorherrenstift (heutiges Schloss) mit einer dazugehörigen Kirche (nach heutigem Wissenstand ist ein Vorläufer der St. Adreaskirche und nicht -wie lange angenommen- die Stiftskirche als Urkirche Berchtesgaden anzusehen). In der Folgezeit kommen Siedler und Bauern ins Land, denen von den Klosterleuten Grund und Boden als Lehen (=geliehen) zur Bewirtschaftung überlassen werden. Als Gegenleistung muss von Ihnen ein erheblicher Teil der Erträge abgeliefert werden.
1134 Auf der Halbinsel von St. Bartolomä steht bereits eine Kapelle, die "Basilka Chunigesee".
1150 Gründungsbau der Stiftskirche.
1156 Kaiser Friedrich Barbarossa stellt jenes für die Zukuinft Bechtesgadens wegweisende Dokument, die "Goldene Bulle" aus, in dem er das Stift Berchtesgaden unter seinen Schutz stellt und ihm weit reichende (sonst nur dem Kaiser zukommenden Befugnisse -die Regalien- verleiht. So auch das Forst- Jagd- und Weiderecht, die Berechtigung zur Anlage von Siedlungen und zur Wahl des Landesherren.
1190 Beginn der Salzproduktion am Berg "Tuval" über Marktschellenberg.
1194 Heinrich VI.,Sohn und Nachfolger Barbarossas, bestätigt dem Stift das Bergregal (das Recht, Bergbau zu betreiben) und legitimiert dadurch eine zuvor von den Klosterleuten angefertigte Fälschung.
1211 Erste Erwähnung der Saline Schellenberg, die bis 1805 in Betrieb war.
1294 1294 König Adolf von Nassau verleiht Berchtesgadener Landherren (dem "Fürstenprobst") die vollständige Blutgerichtsbarkeit (das Recht, Verbrecher nicht nur zu verurteilen, sondern die Urteile auch zu vollstrecken). Nach nur 200 jahren ist die Entwicklung Berchtesgadens zu einem eigenständigen Kirchenstaat, der in weltlichen Dingen allein dem Kaiser, in geistlichen nur dem Papat unterstellt ist, abgeschlossen.
1306 -und 1332 Grenzstreitigkeiten zwischen Berchtesgaden und Salzburg, die Halleiner überfallen die Schellenberger Saline.
ab ca. 1375 ab ca. 1375 Dauernde Streitigkeiten um das salz und Misswirtschaft führen zu immer größeren finanziellen Problemen Bertesgadens. Die Hilfe salzburgs führt 1389 zur Verpfändung der Saline Schellenberg und 1393 zur vollständigen Inkorporation des Stiftslandes. Die Übernahme wird 1409 aufgehoben, die saline Schellenberg bleibt bis 1556 verpfändet.
1377 Die Bauern erhalten gegen bezahlung das Recht der Weitervererbung ihrer Lehen an ihre Kinder. Die drückenden Abgaben bleiben unverändert. Da die Erträge aus Ackerbau und Viehzucht zum Überlebn nicht ausreichten, waren die Berchtesgadener Bauern über Jahrhunderte auf Nebenerwerb angewiesen. Verdienstmöglichkeiten bestanden in der Salzproduktion, Holzwirtschaft, später aus der Fertigung hölzener Gebrauchsgegenstände.
um 1400 Die Fertigung hölzener Gebrauchsgegenstände (Holzhandwerk) wird als Nebenerwerb bedeutsam. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts lebt die Hälfte der 5000 Einwohner Berchtesgadens teilweise oder ganz von der Herstellung der "Berchtesgadener War". Verleger organisieren den Vertrieb von in Heimarbeit gefertigten Gegenständen (besonders Spanholzschachtel und Spielsachen) in ganz Europa. Neue Materialien bedeuten im 19. Jahrhundert das Aus des Gewerbes, weite Teile der Bevölkerung verarmen.
1506 Die sich ausgebeutet fühlenden Bauern erheben sich gegen den Stift. Ein Schiedspruch von höchster Stelle ("Fuchsbrief") gibt den Landesherren recht. Die Lage der Bauern bleibt unverändert schlecht.
1517 Eröffnung des ersten Stollens ("Peterbergstollen") im heutigen Salzbergwerk, es folgen Stollen im Frauenberg (1559) und Ferdinandsberg (1628).
1559 Der Probst von Berchtesgaden gelangt in den Rang eines Reichsfürsten mit Sitz und Stimme beim Reichstag in Regensburg.
1564 1564 Fertigstellung der Berchtesgadener Saline Frohnreuth (in der Nähe des heutigen Bahnhofs), die bis 1928 in Betrieb stand.
1594-1723 Über einen Zeitraum von 130 Jahren regieren nacheinander drei Pröbste aus dem Hause Wittelsbach des Berchtesgadener Land. Persönlich anwesend sind sie so gut wie nie.
1611 Der "Berchtesgadener Salzkrieg" zwischen Bayern und Salzburg endet mit der Inhaftierung des Erzbischofes Wolf-Dietrich von Raitenau in seiner eigenen Feste Hohensalzburg.
1617-1619 Bau der ersten bayerischen Soleleitung. Zum Versieden der Sole benötigen die Salinen enorme Mengen an Brennholz, das auf Gewässern von weither getriftet wird. Holzmangel führt schließlich zur Notwendigkeit, "die Sole zum Holz, statt das Holz zur Sole" zu befördern. Mehrere Soleleitungen werden gebaut. Die erste bayrische Soleleitung führt von Reichenhall nach Traunstein (31 km). Die zweite (erbaut 1807-10) von Reichenhall nach Rosenheim (81 km), die dritte (erbaut 1817) von Berchtesgaden nach Reichenhall über Schwarzbachwacht (29 km). Die Verlegung von tausenden von ausgehölten Baumstämmen (Deicheln) in dem alpinen Gelände und die Installation von Pumpen zur Überwindung der Höhenunterschiede waren technische Meisterleistungen.
1732/33 Langjährig besthende Konflikte mit Anhängern der Lehre Luthers eskalieren und führen im April des Jahres 1733 zur Ausweisung von ca. 800 Evangelischen (ca 10% der Bevölkerung) aus dem Stiftsland.
erste Hälfte 18.Jh. Barockzeit: Aufschwung des Bauwesens trotz hoher Verschuldung des Stifts. Neu gebaut bzw. großzügig renoviert/umgebaut wurden die Wallfahrtskirchen in Maria Gern, Ettenberg, am Kunterweg in der Ramsau sowie in St. Bartholomä.
1800 Ersteigung der Watzmann Mittelspitze (2713m), des höchsten Gipfels der Berchtesgadener Alpen, durch Valentin Stanig. in der Folgezeit weitere Erschliessung der Berchtesgadener Berge.
1803 Säkularisation und Auflösung der Fürstprobstei Berchtesgaden. Nachdem die Schlacht am Walser Feld vor den Toren Salzburgs dem tausendjährigen "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" ein Ende bereitet hatte, gerät auch Berchtesgaden in die Mühlen der Weltpolitik. Die Säkularisation bedeutet das Ende der Eigenstaatlichkeit Berchtesgadens. Der letzte Berchtesgadener FürstprobstJoseph Konrad von Schroffenberg (der 46. Probst) strirbt wenige Wochen nach Unterzeichnung der Abdankungsurkunde in seinem Schlösschen Adelsheim (dem heutigen Heimatmuseum).
1803 - 1810 Berchtesgaden fällt nacheinander an Salzburg, Österreich Frankreich und Bayern, wo es endgültig verbelibt.
Beginn 19.Jh. Öffnung Berchtesgadens nach außen. Forscher, Bergsteiger, Maler und Schriftsteller besuchten den bis dahin weitgehend unbekannten Talkessel unterm Watzmann und machten das Land weithin bekannt.
1818 Die bayrischen Könige erwählen das klostergebäude der Augustiner Chorherren (das heutoge Schloss) zu ihrer Sommerresidenz.
Ende 19.Jh Die alpine Erschliesung der Berchtesgadener Alpen ist weitgehend abgeschlossen. 1875 wird die Sektion Berchtesgaden des damaligen Deutsch-Österreichischen Alpenvereins gegründet. Bau von Berghütten: 1879 am Funtensee, Watzmannhaus 1888, 1900 Purtschellerhaus, 1901 Stöhrhaus. 1881 erste Besteigung der 1800 Meter hohen Watzmann Ostwand durch den Ramsauer Johann Grill ("Kederbacher").
1888 Bahnverbindung Bad Reichenhall - Berchtesgaden. Der Tourismus, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Pferdefuhrwerken zögerlich eingesetzt hattem erfährt eine rasche Zunahme. 1886 fährt die Bahn von Salzburg her bis zur Staatsgrenze am Hangendenstein bei Martschellenberg, 1907 bis Berchtesgaden, 1909 bis zum Königsee.
1933 Hitler kauft das Haus Wachenfeld am Obersalzberg, hohe Parteifunktionäre der NSDAP folgen. Nach Enteignung der ortsansässigen Bevölkerung entsteht in einem grossen Sperrgebiet eine Macht- und Schaltzentrale des Dritten Reiches.
1945 25. April: Bombardierung des Obersalzberges, wo die Allierten eine "Alpenfestung" Hitlers vermuteten. Die Gebäude im Führersperrgebiet werden weitgehend zerstört, das Kehlsteinhaus bleibt unversehrt. Auch in Berchtesgaden gab es keine Schäden. Nach der Kapitulation beschlagnahmen die Amerikaner die Überreste des Obersalzberges, wo sie später ein Erholungsgebiet ("Recreation Area") einrichteten.
1947 Neben den vielen Heimatvertriebenen, die schon während des Krieges nach Berchtesgaden gekommen waren, strömen nun viele Menschen aus den zerstörten Städten hierher. Im Tal gibt es keine Unterkünfte, sie ziehen weiter in die Berge. Kärlingerhaus und Purtscheller Haus verzeichnen jeweils 19.000 Übernachtungen. Genau durch das Purtschellerhaus verläuft die damals streng geschlossene Grenze zu Österreich. So bot die Berghütte getrennten Familienangehörigen oder Liebespaaren die Möglichkeit des Wiedersehens.
1950 Rasche Erholung des völlig darniederliegenden Fremdenverkehrs. Die Millionengrenze an Übernachtungen wird 1953 erreicht, die Zwei - Millionen Grenze 1962.
1960 Als letzte bis heute in Betrieb stehende Soleleitung wird ein Doppelstrangrohr vom Berchtesgadener Salzbergwerk über Hallthurm nach Bad Reichenhall verlegt (20km).
1972 Große Landkreisreform: Aus drei bis dahin selbstständigen Gebietskörperschaften Bad Reichenhall, Laufen und Berchtesgaden entsteht der neue Landkreis Berchtesgadener Land.
1973 Das Kur. und Kongresshaus, das Veranstaltungszentrum des Berchtesgadener Landes mit vielfältigen kulturellen Angeboten bis zu internationalen Kongressen entsteht.
1978 Rechtsverordnung über den Alpen- und Nationalpark Berchtesgaden.
2002 900 - Jahrfeier Berchtesgadens.
2005 850 - Jahrfeier Bischofwiesens.